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StudentInnen werden zu ForscherInnen an der Universität Wien Lehrprojekt und StudentInnenkonferenz zu Afrikanischer und Chinesischer Migration nach Österreich

Am 21. Jänner veranstalteten das Institut für Afrikawissenschaften und das Institut für Ostasienwissenschaften/Sinologie gemeinsam eine Konferenz zum Thema „Chinesische und Afrikanische Migration nach Österreich: Sprache, Kultur, Netzwerke“, auf der 27 StudentInnen ihre eigenen empirischen Ergebnisse präsentierten, die sie während des vergangenen Semesters im Zuge eines Lehrprojekts erarbeitet hatten. Auf der Konferenz präsentierten die StudentInnen in Kleingruppen (von zwei bis fünf Personen) in 15-minütigen Vorträgen ihre Forschungsprojekte und die gewonnen Ergebnisse im Zuge ihrer Recherchen und Interviews. Den Vorträgen folgte jeweils eine 15-minütige Diskussionsphase, in der jeweils eine andere Gruppe von Studierende die Rolle der DiskutantInnen übernahm. So stellten sie selbst Fragen zur Theorie, Methode und den Ergebnissen und moderierten darüber hinaus den Dialog zwischen Publikum und Vortragenden.
Die Konferenz war Abschluss und Höhepunkt eines Lehrexperiments im Wintersemester 2016/17, das von vier Jungforscherinnen der beiden Institute initiiert und durchgeführt wurde: Che Dewei vom Institut für Afrikawissenschaften und Sabrina Habich-Sobiegalla, Sarah Hanisch sowie Julia Marinaccio vom Institut für Ostasienwissenschaften/Sinologie. GADS (Global African Diaspora Plattform), insbesondere die beiden Professoren, Adam Bodomo von den Afrikawissenschaften und Christian Göbel von der Sinologie, unterstützten das Projekt durch Mentoring und finanziell (i.e. Verpflegung während der Konferenz).
Ziel des Lehrexperiments war es, StudentInnen mittels eines vorgebebenen Themas (Forschungsinteresse: Migration nach Österreich) grundlegende theoretische und methodische Kenntnisse zu vermitteln, mit denen sie anschließend in Kleingruppen eigenständig, aber in enger Begleitung durch die Lehrveranstaltungsleiterinnen, ein eigenes Forschungsprojekt entwickeln und durchführen konnten. Die beteiligten Lehrveranstaltungen waren daher so aufgebaut, dass alle Etappen des Forschungsprozesses durchlaufen werden konnten: Hintergrundrecherche, Festlegung eines theoretischen Rahmens bzw. Konzepts, Formulierung einer Forschungsfrage, Datenerhebung, Datenauswertung und Interpretation sowie Dissemination (Konferenzteilnahme und Verschriftlichung der Forschungsergebnisse).
Aus Sicht der Lehrenden war die Abschlusskonferenz und auch das Lehrprojekt aus zwei Gründen ein voller Erfolg. Erstens, widerspiegelten die gewählten Themen und Fragen der einzelnen Gruppen die Vielschichtigkeit von Migration. Die StudentInnen befassten sich mit verschiedenen sozialen Gruppen innerhalb der Migrationsgemeinschaft (e.g. chinesische RestaurantbesitzerInnen, StudentInnen, ArbeitnehmerInnen, die in österreichischen Unternehmen tätig sind, etc.) und gingen Fragen zur Netzwerkbildung, Integration, Identität und Zugehörigkeit nach. Die StudentInnen überprüften oder reproduzierten damit keineswegs nur bekannte Hypothesen, sondern generierten selbst neue Hypothesen, die wiederum Grundlage für weitere Forschung in diesem Bereich sein und zu einer Sensibilisierung der Institutionen und Gesellschaft in Österreich beitragen können. Der damit einhergehende Rollenwandel (i.e. vom Studierenden zum Forschenden) und die explizite Wertschätzung der erarbeiteten Resultate von allen Beteiligten trugen zu einer konstruktiven und motivierenden Atmosphäre bei.
Zweitens, wurden die StudentInnen zu AkteurInnen, die aktiv am Lern- und Lehrprozess teilnahmen und sich sogzusagen auf gleicher Ebene mit Lehrenden und den Peers über Erfahrungen und Herausforderungen in der Forschung austauschten. So war die Konferenz geprägt von intensiven Diskussionen und Austausch während und nach den Panels. Die Inhalte und Diskussionen begeisterten nicht nur die Studierenden selbst, sondern auch die anwesenden Lehrveranstaltungsleiterinnen und die beiden Professoren, Christian Göbel und Adam Bodomo. In einem Abschlusskommentar brachte Christian Göbel seinen positiven Eindruck wie folgt Ausdruck: „Ich war so begeistert, dass ich von Anfang bis zum Schluss dabei geblieben bin.“
Den Schluss des intensiven Tages (und Semesters) bildete eine Feedbackrunde, in der die TeilnehmerInnen Vor- und Nachteile des Lehrexperiments, Herausforderungen und Vorlieben, sowie Verbesserungsvorschläge artikulierten. Alles in allem wurden das Projekt und die Konferenz von allen Beteiligten (StudentInnen und Lehrende) als ein sehr intensives aber lehrreiches Erlebnis eingestuft.
Vorbereitungen für ein ähnliches Vorhaben im Wintersemester 2017/18 sind bereits am Laufen.

Wien, 31. Jänner 2017


Von
Sarah Hanisch und Julia Marinaccio
Institut für Ostasienwissenschaften/Sinologie


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